|
Agaven (A. sisalana) zählen, neben Hanf,
Baumwolle und Kokos, zu den wichtigsten Faserlieferanten.
Sie liefern Hartfasern (das Sisalhanf)
wechselnder Länge und Qualität. Diese Fasern
sind von weisser bis gelblich-weisser Farbe, widerstandsfähig
gegen Feuchtigkeit, lassen sich gut einfärben und
verweben, sind reissfest, geschmeidig und leicht im
Gewicht. Ursprungsgebiet der Agavenkultur zur Gewinnung
ihrer Fasern, ist die mexikanische Halbinsel Yucatán,
dessen Hafenort "Sisal" namensgebend war.
Von hier aus wurde die Sisalfaser weltweit verschifft.
Heute ist Brasilien mit mehr als 55.000 t pro Jahr der
größte Produzent - vor Kenia.
Bei günstigen klimatischen Bedingungen kann bereits
im dritten Jahr mit der Ernte begonnen werden. Ein besonderer
Vorteil von Sisalhanf ist sein nachwachsender
Rohstoff. Die Fasern werden aus frischen Blättern
gewonnen, gewaschen und an der Sonne getrocknet. Dabei
wird das Blattgewebe durch abquetschen, abschaben und
waschen entfernt. 95% sind "Abfall" der als
Viehfutter und Gründünger oder getrocknet
als Heizmaterial Verwendung findet. Fasern mit einer
Länge von mehr als 90cm, werden überwiegend
zu Seilerwaren (Tauwerk, Bindegarn, etc.), Fischernetzen,
Segeltüchern und Markisen verarbeitet. Ausserdem
dienen sie der Herstellung von Kleidung, Säcken,
Teppichen, Matten, Körben und Geweben für
Möbel. Kürzere Fasern (das Tampico), werden
als Bürsten, Pinsel, Polstermaterial oder zur Herstellung
von Bauplatten und Papier genutzt, das sogar Banknotenqualität
besitzt. Im Zuge des Sisalbooms entstanden im ausgehenden
19. Jahrhundert u.a. auf Yucatán riesige Sislaplantagen,
die erst mit der Einführung von Kunstfasern ab
den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ihre Bedeutung
verloren.
Fotos: A. sisalana in Mónsul (oben)
und San José (unten)
|